ITALIEN, NEAPEL

Ich lieg im Clinch mit meiner Stadt: Novemberblues in Neapel

 

Nach der anfänglichen Euphorie war’s hier auf dem Blog ja ziemlich ruhig, und zwar aus gutem Grund: In meiner Beziehung mit Neapel hängt der Haussegen schief. Ich bin so richtig, richtig böse und mir fällt’s gerade echt schwer, Positives oder Schönes über meinen Alltag hier zu berichten. Klar, es kann nicht immer die Sonne scheinen. Schon gar nicht im November. Und vor allem nicht im richtigen Leben. Aber muss es gleich so dicke kommen?

Wenn die Dinge hier mal schief laufen, isses ein bißchen so wie mit dem Regen: Wenn’s mal losgeht, dann so richtig. Und es scheint dann auch kein Ende in Sicht.

Angefangen hat alles mit unseren Umzugsplänen. Ich befand mich schon seit einiger Zeit mit meinem Freund auf Wohnungssuche und nach gefühlten 1.000 Besichtigungen hatten wir sie plötzlich gefunden: Unsere Traumwohnung. Hell, geräumig, zweistöckig und super zentrale Lage in der Altstadt. Preis war auch okay. Sogar der „Haken“ schien offensichtlich: Eine Menge Papierkram, da die Vermieter anscheinend schlechte Erfahrungen gemacht hatten und deshalb alles über ihre Anwälte regeln wollten. Aber gut, irgendwie schien mir das sogar ein gutes Zeichen, immerhin sichert ein handfester Mietvertrag vor allem die Rechte der Mieter – zumindest anderswo… Nach zwei endlos scheinenden Wochen schien es endlich so weit zu sein: Wir hatten alle geforderten Papiere zusammen und die Vermieter hatten uns als Mieter akzeptiert – geschafft! Und schließlich war er da, der große Tag, an dem wir unseren Mietvertrag unterschreiben und die Schüssel abholen sollten, der 26. Oktober (am 31. Oktober musste ich mein WG-Zimmer übergeben). Der Schampus war kalt gestellt und die Freude groß, als wir uns in der Kanzlei einfanden, den Vertrag durchsahen und – uns vor einem Paragrafen wiederfanden, der jegliche „finanzielle Haftung für erforderliche Sanierungsarbeiten des Mietgegenstandes“ an den Mieter abwälzte. Moment, erforderliche Sanierungsarbeiten? Finanzielle Haftung? *#´+%+ä??! Nach einer kurzen Versicherung, auch wirklich richtig verstanden zu haben, wurde mir die Dreistigkeit der Lage bewusst: Wir sollten uns hier als Wohnungsrenovierer verpflichten! (Eine Bestandsaufnahme der Mängel, Zertifikate oder ähnliches wurde uns zudem schlichtweg verweigert, abgesehen davon, dass von diesem „Deal“ niemals die Rede gewesen war). „Das kann ja wohl nicht Ihr Ernst sein, selbstverständlich unterschreiben wir den Vertrag so auf gar keinen Fall.“ „Dann unterschreiben Sie eben nicht, Signorina. Da kann ich Ihnen nur beipflichten, ich würde diesen Vertrag auch nicht unterschreiben.“ Schweigen. Ich war so außer mir vor Wut, dass ich nur noch merkte, wie mir die Tränen in die Augen schossen, ich schnappte mir meine Tasche und rannte wie eine Wahnsinnige aus dem Büro. Den Aufzug nach unten teilen wir uns mit der Rezeptionistin der Kanzlei, was mich keineswegs daran hinderte, die gesamte Belegschaft zur Hölle zur wünschen.
Fazit: Neue Wohnung weg. Altes WG-Zimmer weg. Ich sitz auf der Straße – bzw. in fünf Tagen.

Ich kann euch wirklich nicht erklären, wie unendlich groß meine Wut in dem Augenblick war. Verarscht von vorne bis hinten. Am liebsten hätte ich dem ganzen Clan vor die Tür gepinkelt. Die Traumwohnung hatte sich also erstmal ausgeträumt und völlig desillusioniert fingen wir wieder an, Wohnungsanzeigen zu durchforsten – mit dem kleinen Unterschied, dass ich noch genau fünf Tage ein gesichertes Dach über dem Kopf hatte. Glücklicherweise hatte eine Freundin gerade ein Zimmer frei, sodass ich dort ne Woche unterkriechen konnte und zu guter Letzt fanden wir doch noch eine superhübsche Wohnung, in der ich jetzt sitze und meine Wunden lecke. Also Ende gut, alles gut? Denkste.

Am selben Tag des Mietvertrag-Desasters (26.Oktober! Nur für die Verschwörungstheoretiker unter euch) erreichte mich eine knappe Mail meiner Agentur, dass Sie in Zukunft gerne auf meine Dienste verzichten würde. (Ich hatte mir zuvor bereits mehrmals die dringende Einforderung der Zahlung offener Rechnungen erlaubt und mich geweigert, sie weiter mit Artikeln zu beliefern, ohne nicht zumindest einen Teil der Summe auf meinem Konto zu haben). Besagte Rechnungen wurden natürlich bis heute nicht bezahlt, weshalb ich mich mich auf einen kleinen, aber feinen Rechtsstreit einstellen darf. Die Prognose meines Anwalts: In 2 bis drei Jahren kann ich dann auch mit meinem Geld rechnen. Fazit Nr. 2: Schlimmer geht’s immer.

Aber hey, nachdem das hier kein Jammerblog werden soll, sehen wir uns doch mal die positiven Aspekte des Ganzen an:

  • Die neue Wohnung ist wirklich, wirklich schön und ich hab ne supertolle Büro-Zone, wo sich Mahnschreiben und Telefonate mit meinem Anwalt quasi von selbst erledigen. Hach!
  • In wenigen Wochen bin ich zur Expertin des italienischen Miet- und Arbeitsrechts geworden, sodass ich quasi ein Praxishandbuch herausgeben könnte! Jurastudium? Reine Zeitverschwendung. Learning by doing ist angesagt.
  • Nie zuvor konnte ich mir der Liebe meines Freundes derart sicher sein: Seit zwei Wochen teilt er Tisch und Bett mit einer heulenden und kreischenden Furie und hat noch nicht das Weite gesucht.

Soviel zu meiner aktuellen Beziehung mit Neapel. Ich hoffe, die Paartherapie (lange Spaziergänge am Meer, der eine oder andere Ausflug nach Ischia und ne ordentliche Portion Street Food) zeigen bald Wirkung, so dass ich euch wieder Gutes berichten kann. In der Zwischenzeit bastle ich einfach weiter am Layout.

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2 Comment

  1. sileas
    Dezember 1, 2015 at 8:34 pm

    Hört sich furchtbar an, aber hin und wieder tut es ganz gut den Frust abzulassen! Es geht bestimmt bald bergauf 😉

    1. Karin
      Dezember 11, 2015 at 11:55 am

      Ja, das hoffe ich auch.. un bacio :*

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